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Die neue Mitte im Leben eines Hundehalters

Für jeden Hundehalter gab es ein „erstes Mal“. Nämlich der Tag, an dem er seinen ersten Hund bekam. Für Einige unter uns war das bereits in der Kindheit, für Andere war diese Anschaffung erst im späteren Alter möglich. Alles dreht sich um die Fellnase und man freut sich über jeden neuen Tag. Man glaubt von sich, dass das gewiss nur am Anfang so ist, das hört auf, wenn man viele Jahre einen Hund hat. Vorab schon einmal vorweg genommen: NEIN, tut es nicht.

Bevor ein Hund ist Haus kommt, macht man sich überhaupt keine Gedanken darüber, wie sehr der Fellträger das eigene Leben verändern wird. Doch sind wir einmal ehrlich, wir wollen es doch genau so?
Es gibt keinen Hundehalter, der sich nicht von seinem Vierbeiner beeinflussen lässt. Früher oder später bestimmt der Hund, wann wir aufstehen, wie lange wir ausgehen, ob und wann wir überhaupt das Haus alleine verlassen, wo wir Ferien machen und wie unsere Wohnung eingerichtet ist.
Der Anfang ist harmlos. Nachdem der Hund eingezogen ist wird alles zu einem besonderen Ereignis. Er schläft… und träumt, ob man ihn wecken soll, wenn er beginnt im Schlaf leise zu fiepen? Er war im Garten und hat sein Geschäft verrichtet, also bitte, das freut einen doch. Wie brav er ist. Oh, er frisst. Gott sei Dank! Ob es ihm gut geht? Für die Hundeeltern sind das erwähnenswerte Alltagspunkte, wer länger einen Hund hält, der wird jetzt milde lächelnd zurück denken und nicken.

Eltern von kleinen Kindern, die sich über Windeln und das Stillen unterhalten, sind Anfänger im Vergleich zu den Hundehaltern. Morgens um sieben Uhr findet man Halter im Park, die bereits mit anderen Haltern in tiefgründige Gespräche vertieft sind, während man dabei zusieht, wie die Hunde über Wiesen, oder Felder rennen. Man fühlt sich miteinander verbunden, obwohl man lediglich Bellos Frauchen, Hassos Herrchen, oder Kiras Eltern ist.

Hundhalter und ihre Themen
Das nächste Phänomen sind die Themen, die man mit Hundehaltern bespricht, die man nicht mal im engsten Familienkreis aussprechen würde. Schon vor dem Frühstück bespricht man das Entleeren der Analdrüse, den Vorhautkatarrh beim Rüden, oder den nächtlichen Durchfall.

Wir würden normalerweise niemals zu einer zufälligen Zusammenkunft mehrerer Menschen gehen, wäre nicht unser Hund vor gelaufen um seine Artgenossen zu begrüßen. Automatisch gehen wir also ebenfalls zu der Gruppe und klinken uns nahezu sofort in das Gespräch mit ein.
Übrigens, selbst wenn man sich kennt, würde man sich ohne Hund begegnen, es würde wahrscheinlich nur zu einem kurzen Gruß kommen. Das erklärt sich aber auch dadurch, dass man den Namen des Menschen ja gar nicht kennt und jemanden mit: „Hallo Kiras Frauchen“ anzusprechen klingt irgendwie unbeholfen.

Halter, deren Hunde sich gut verstehen, halten zusammen. Man trifft sich häufig und dreht seine Runde im Park, im Wald oder auf dem Feld. Ein Spaziergang dauert im Durchschnitt 45 Minuten.
Da bleibt viel Zeit für Gespräche. Mehr Zeit übrigens, als man mit seinem Lebenspartner spricht.

Schön wenn man sich versteht. Doch was tun, wenn die Hunde sich mögen, man selbst aber feststellt, das der Halter so gar nicht auf einer Gesprächsebene liegt?
Ein Hundehalter hat hier im Grunde nur 2 Möglichkeiten. Entweder man bleibt trotzdem zusammen, ist halt so, die Hunde sollen schließlich ihren Spaß haben. Der einzige Grund sich zu trennen besteht darin, wenn die Einstellungen zu gewissen Dingen zu unterschiedlich sind: „ Sie verfüttern Futter mit Getreide/Geflügel/Konservierungsstoffen/Erbsen/nur Trockefutter/nur Nassfutter/ kein Barfen/ oder rohe Knochen? Sie verwenden ein Halsband und kein Geschirr? Der Hund kommt aus dem Ausland/nicht aus dem Ausland?“ Solche Themen führen schneller zu einem Beziehungsaus als die Hunde blinzeln können.

Alle haben aber etwas gemeinsam. Wir müssen regelmäßig nach draußen. Die Tatsache, dass wir häufig schmutzige Schuhe haben, die Jacken immer mit irgend einem Leckerchen gefüllt sind und wir gemächlichen Schrittes durch die Gegend laufen, macht uns einfach sympathisch. Hinzu kommt noch, wir sehen und hören mehr, weil wir gelernt haben, besser zu Beobachten. Mit unserem Vierbeiner entdecken wir häufig Dinge, die anderen verborgen bleiben.

Und das wird sich nie ändern, egal wie lange man Hunde hält. Man wird jeden Tag aufs neue bei Wind und Wetter mit seinem geliebten Fellträger draußen seine Runden drehen und die Zweisamkeit mal mehr und mal weniger genießen. Abends ist man zufrieden, weil man sowieso den besten Hund der Welt hat.